Interview mit Herrn Bürgermeister Cunitz: „Dichte allein ist kein Ziel“

Das geplante Neubaugebiet Am Eschbachtal sorgt für Diskussionen. Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) äußert sich im FR-Interview zur geplanten Wohnungsdichte, dem städtebaulichen Konzept und seiner Konsenssuche.

 

Die Zahl der geplanten Wohnungen im Neubaugebiet Am Eschbachtal schwankt erstaunlich. Erst waren 1380 Wohneinheiten vorgesehen, dann 2000. Letztes Jahr haben Sie in Aussicht gestellt, die Planungen auf 1500 bis 1700 Wohnungen zu beschränken. Der Magistratsbericht B 465 vom Dezember sieht aber bis zu 2640 Einheiten vor. Wie viele Wohnungen sollen denn nun dort entstehen?
Der Magistratsbericht sieht keine 2640 Wohnungen vor und das streben wir auch nicht an. Wir geben dort nur die Vorgaben des vom Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main beschlossenen Flächennutzungsplanes wieder. Unsere Planung orientierte sich in jüngerer Vergangenheit am unteren Ende der Zielvorgabe der regionalen Flächennutzungsplanung.

 

Sie haben also noch nicht festgelegt, wie viele Wohneinheiten es werden sollen?
Man muss das primär an einem guten städtebaulichen Konzept festmachen. Die Mehrheit im Römer hat deutlich gemacht, dass sie 2000 Wohneinheiten für zu viel hält, und dem werden wir folgen. Jedoch haben die Stadtverordneten auch die Beschlüsse der Ortbeiräte abgelehnt, sich auf 1200 bis 1300 Einheiten zu beschränken. In diesem Korridor bewegen wir uns.

 

Viele Bürger haben den Eindruck, die Stadt versuche die maximale Zahl an Einheiten herauszuschlagen. Warum können sich die Planer nicht auf die 1200 Wohnungen beschränken, wie es Bürger fordern? Zumal sich die Anzahl der Einwohner in Bonames bei 2000 Wohneinheiten fast verdoppeln würde.
In den vergangenen zehn Jahren hatte Frankfurt einen extremen Bevölkerungszuwachs von 70 000 Einwohnern. Die Folge sind Verdrängungsprozesse in innerstädtischen Quartieren wegen mangelnden Wohnraums. Den müssen wir aber schaffen, damit nicht die, die schon hier wohnen, verdrängt werden, und die, die herkommen, ein bezahlbares Angebot finden. Deswegen haben wir die alten Planungen überarbeitet.

 

Wenn es von der Qualität der Konzeption abhängt, wie sollen dann die Häuser gestaltet sein? Welchen Charakter soll die Siedlung bekommen?
Das wollen wir zusammen mit den Bürgern erarbeiten. Es gibt auch ökologische Argumente, denn je dichter ich baue, desto weniger Flächen versiegle ich pro Kopf. Das Einfamilienhaus ist das am wenigsten flächeneffiziente Gebäude, während der mehrgeschossige Wohnungsbau wesentlich ökologischer ist. Aber Dichte allein ist kein Ziel und kein Wert!

 

Die Bürgerinitiative L(i)ebenswertes Bonames, die den geplanten Wohnungsbau kritisch sieht, scheint stetig zu wachsen. Zumindest hat sich die Zahl ihrer Sprecher von drei auf fünf erhöht. Wie gehen die Planer mit diesem aktiven Bürgerengagement um? Empfinden Sie das als hilfreiche Anregung? Oder doch eher als Bedrohung?
Die wachsende Zahl an Sprechern ist vielleicht auch Ausdruck unterschiedlicher vertretener Meinungen. Wir haben dort kategorische Baugegner, dann Leute, die 1200 Wohneinheiten wollen und welche, die über neue Planungen bereit sind zu reden. Wir wollen mit den Bürgern von Bonames und den anliegenden Stadtteilen intensive Gespräche führen und eine gemeinsame Vorstellung entwickeln. Das soll im März in Planungs-Workshops geschehen.

 

Glauben Sie, dass Sie mit den Kritikern zu einer Einigung kommen können?
Unsere Hoffnung ist, die Leute von der Notwendigkeit des Wohnungsbaus zu überzeugen. Denn wir müssen ein gesamtstädtisches Interesse wahren. Die Leute, die keine Veränderungen wollen, organisieren sich. Aber wir müssen Lobby sein, für die Leute, die Wohnraum suchen. Denn die haben keine Bürgerinitiative.

 

Wünschen Sie sich also von den Bürgern gar mehr Input in Ihrem Workshop? Was für neue Erkenntnisse könnten dort einfließen?
Ja, Anregungen, Argumente und Kenntnisse vor Ort wollen wir aufnehmen. Denn wir streben einen ernstgemeinten Dialog an. Das gemeinsame Ziel sollte sein, Bestehendes und Neues gut miteinander zu verzahnen.

Interview: Philip Dingeldey

 

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